Sina präsentiert neues Album EMMA

Das Leben schreibt bekanntlich die schönsten Geschichten, aber die Songs dazu – die schreibt Sina. Dreizehn davon finden diesmal den Weg auf das neue Album. Dabei stellt Sina einiges auf den Kopf und startet neu durch. Und wie! Emma, produziert von Adrian Stern, klingt frisch und unverbraucht und verwöhnt uns mit virtuos leichtfüssigen Popsongs und berührenden Folkballaden. Nie klang Sina mehr nach Sina, und viele der neuen Lieder sind Instant-Klassiker, sie gehören zu jenen raren Songs, die einem schon beim ersten Anhören vertraut werden.

Der Plan war von Anfang klar: Sina sucht zuerst die Geschichten, erst dann deren Klang. Für sie der beschwerlichere Weg, er zahlt sich aus. Momentaufnahmen aus dem prallen Leben werden so zu Liedern. Mal überschäumend fröhliche, mal zarte und tiefgründige. Ihr Sound ist geprägt von mehrstimmigen Gesängen, Gitarren und federleichten Arrangements. Die Band folgt Sina versiert durch die verschiedenen Stilarten. Hochkarätige Gäste gesellen sich dazu, allen voran Partricia Draeger mit ihrem Akkordeon und Gitarrenvirtuose Jean-Pierre von Dach, der neu auch in Sinas Band spielt.

Ich süächu dich heisst die erste Single. Wieder ein Duett, diesmal mit Hendrix Ackle, wieder ein Sina-Klassiker, doch diesmal ein Liebeslied der etwas anderen Art. Es geht um die ideale, die vollkommene Liebe. Um jene unerklärliche Sehnsucht, die jeden von uns heimsucht, selbst dann, wenn wir denken, wir wären längst angekommen. Dann bittet ein unwiderstehlicher Beat zum Tanz mit den alten Gespenstern, und die Suche nach dem zweiten „Ich“ führt auf die andere Seite der Nacht.

Dorthin beispielsweise, wo Emma wachliegt und mit ihren Dämonen ringt. Bis jemand mit einem Stück Zucker und Klosterfrau Melissengeist zu Hilfe eilt. Welch seltsam vertraute Erinnerung!

Unsere, oder jene von Sina? Der bildstarke Titelsong ist eine Ode an die Liebe, an die Menschlichkeit, ein Dank an einen Menschen, der stets Zuflucht und Trost geboten hat. Neue Klänge auch hier, ein Streichquartett beschliesst das Lied mit einem musikalischen Gebet zum Himmel.

Immer wieder beweist Sina ihr Geschick, im vermeintlich Vertrauten das Besondere zu orten. Easy Ryder, beispielsweise. Das unbeschwerte Porträt jener Motorrad-Amazone vom Land, deren Harley in Wahrheit nur ein Puch Maxi, ist. Jeden Morgen begleiten wir sie zum Selecta-Automaten am Bahnhof, wo sie sich ein Stück vom kleinen Glück herauslässt. Nr. 36, Schokolade. Vom grossen Glück, vom Fremden, der eines Tages aus dem Zug steigt, träumt sie erst.

Das grosse Glück zu finden, ist schwer genug. Es festzuhalten, wenn man es hat, scheint oft fast schwerer. Davon erzählt Sina in Wa nix meh fehlt. Sie besingt es zusammen mit Ritschi und Micha Dettwyler, in perfekter dreistimmiger Harmonie, die das Herz aufgehen lässt. So gehen Volkslieder heute.

Leichtfüssig setzt Sina zwanzig Jahren nach «Unbeschriiblich wiiblich» einen Kontrapunkt. Wiär sii schön singt sie mit Anna Känzig und Gigi Moto. Lustvoll ironisch machen die drei die Bestandesaufnahme - wo und allenfalls wie sehr der Zahn der Zeit genagt haben könnte.

Dafür, dass Klang- und Sprachbilder auch wirklich verschmelzen, sorgt jener Mann, der bekanntlich lieber Lieder macht und deshalb gleich die Produktion des Albums übernimmt: Adrian Stern. Bei den Songs schreibt er mit, aber Emma ist nun seine erste grosse Produzentenarbeit.

Fast unnötig zu sagen, dass Stern mit dem vermeintlichen Gesellenstück gleich die Meisterprüfung ablegt.

Ein Album also mitten aus dem Leben, und dorthin zurück sollen die Songs jetzt, zu den Leuten, auf die Bühne. Sina feiert mit der Emma-Tour gleichzeitig ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum und wird live auch auf jene Hits zurückblicken, die ihrer Karriere immer wieder Glanzlichter aufgesetzt haben.

Tourdaten

01.03.2019 Scala Wetzikon Tourstart 02.03.2019 UpDown Gurten
08.03.2019 Kulturkarussell Stäfa
09.03.2019 Chollerhalle Zug
15.03.2019 Wetterhorn, Hasliberg
16.03.2019 Casinotheater Winterthur
22.03.2019 Marabu, Gelterkinden 30.03.2019 La poste, Visp05.04.2019 Gaswerk Seewen

06.04.2019 Altes Kino Mels

Sandro Stampa