Lys Assia im Alter von 94 Jahren verstorben

Mit dem Lied «Oh mein Papa» von Schweizer Komponist Paul Burkhard wurde sie weltbekannt. In den letzten Jahren lebte sie an der Zürcher Goldküste und hatte immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Assia hatte die letzten Tage seit Montag im Spital Zollikerberg verbracht. Nun ist sie im Alter von 94 Jahren verstorben.

Beim allerersten Grand Prix Eurovision de la Chanson ersang sich Lys Assia im Jahr 1956 mit dem Lied «Refrain» den Sieg für die Schweiz. Am Samstag starb die Grande Dame des Chanson im Spital Zollikerberg. Das bestätigte ihr ehemaliger Sekretär Jean Eichenberger gegenüber Blick online.

Ihren Durchbruch hatte Lys Assia 1950 mit dem Lied «Oh mein Papa» aus der Operette "Der Schwarze Hecht". Sechs Jahre später mauserte sich nach ihrem Sieg beim Eurovison de la Chanson immer mehr zur Grande Dame de la Chanson. Sie trat oft als Ehrengast am ESC auf. Lys Assia trat in den Fünfzigerjahren zudem als Schauspielerin auf, unter anderem in «Palace Hotel» oder «Die Fischerin vom Bodensee».

2007 gewann Lys Assia zusammen mit der späteren DSDS Siegerin Beatrice Egli die Schweizer Vorausscheidung vom Grossen Preis des volkstümlichen Schlagers. Der Titel «Sag mir wo wohnen die Engel» hatte aber beim internationalen Wettbewerb keine Chancen und landete weit hinten auf Platz 11.

Assia stand noch bis ins hohe Alter auf der Bühne. Zweimal versuchte sie, an ihren Erfolg am Eurovision Song Contest anzuknüpfen: einmal mit dem nostalgischen «C'était ma vie», einmal mit einer Kooperation mit den Berner Rappern New Jack («All In Your Head»). Beide Male wollte das Schweizer Publikum sie jedoch nicht an den Eurovision Song Contest schicken.

Zu ihrem 90. Geburtstag vor vier Jahren hatte Assia gegenüber der SDA gesagt: «Wissen Sie, das war ja nicht geplant, dass ich so alt werde, das hat der Liebe Gott so gewollt. Ich mache einfach das Beste draus und lasse mich nicht unterkriegen.»

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Nachfolgerin von Josephine Baker

Lys Assia wurde am 3. März 1924 in Rupperswil AG geboren. Ihr Vater besass eine Spenglerei, ihre Mutter hatte adlige Wurzeln. Lys, die damals noch Rosa hiess, nahm als Kind Ballettunterricht, liess sich später zur Koloratursopranistin ausbilden und ging als Sängerin und Tänzerin ins Ausland.

Im Krieg tourte sie durch Frankreich - in einem Revue-Programm, das «Sourire de Suisse» hiess. 1942 erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag, 1948 ersetzte sie die berühmte Josephine Baker im Club Champs Elysées.

Im Jahr darauf entdeckte sie bei einem Besuch beim befreundeten Zürcher Komponisten Paul Burkhard die Noten von «O mein Papa», einem Lied aus der 1939 uraufgeführten Operette «Der schwarze Hecht». Assias Version wurde ein Welthit und sie selber zu einer der berühmtesten Schlagersängerinnen ihrer Zeit.

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Karriere wie im Märchen

Sie gastierte in den Varietépalästen Europas, Nordafrikas, der USA und Südamerikas, hatte in Caracas und London eigene Fernseh-Shows, sang vor Queen Elizabeth II., Eva Perón und König Faruk und stand neben Weltstars wie Dean Martin und Marlene Dietrich auf der Bühne.

Auf Anraten ihres Berufskollegen und Landsmanns Vico Torriani konzentrierte sie sich aber auf Deutschland, die damalige Hochburg des Schlagers. Dort hatte sie Hits wie «Arrivederci Roma», «Wenn die Glocken hell erklingen» und «Was kann schöner sein» (Que sera).

1953 heiratete sie den Zürcher Industriellen Henry Kunz, der schon 1957 verstarb. 1963 ging sie mit dem dänischen "Hotelkönig" Oscar Pedersen ihre zweite Ehe ein. Er taufte ihr zu Ehren ein Hotel in Lübeck «Lysia».

Trauma und neues Glück

1995 begann eine Pechphase: Zuerst starb ihr Mann bei einem Autounfall, sie selber wurde verletzt. Im Jahr drauf musste sie sich einer Herzoperation unterziehen. 2004 wurde sie in ihrer Villa in Cannes überfallen, ihr Hund «Lucky» wurde dabei getötet. Damals war der Umzug an die Goldküste schon geplant, und er brachte ihr Glück. Den Höhepunkt bedeutete im Jahr 2008 der Ehren-Prix-Walo.

Werner Plüss