«Tschou zäme, es isch schön gsy»

Der Berner Mundart-Rocksänger Polo Hofer ist tot. Mit 72 Jahren starb er am Samstagabend daheim in Oberhofen am Thunersee. «Tschou zäme, es isch schön gsy!», heisst es in der von ihm verfassten Todesanzeige.

«Am Samschtig, 22. Juli, churz vor Mitternacht, het mys letschte Stündli gschlage und i bi zfriede deheime ygschlafe», heisst es in einer kurzen Pressemitteilung, die seine Familie am Montagabend verschickte. Auf Hofers Wunsch werde es weder eine Aufbahrung noch eine Abdankung geben.

Der Schweizer Kulturminister Alain Berset würdigte Hofers Lebenswerk in einer kurzen Stellungnahme. Hofer habe «wie kein anderer vor ihm die Mundart und die Rockmusik zusammengeführt», erklärt Berset. «Er hat auch ganzen Generationen in allen Sprachregionen der Schweiz gezeigt, wie viel Kraft, wie viel Geist, wie viel Poesie in der Berner Mundart steckt.»

Karriere mit Rumpelstilz

Der Interlakner Polo Hofer war Mitbegründer der ersten Schweizer Mundartrock-Band. Rumpelstilz wurden mit Songs wie «Kiosk» und «Teddybär» berühmt, aber auch mit Klassikern wie «D Rosmarie und i» oder «Die gfallene Ängel».

Später blieb Hofer mit anderen Bands auf der Erfolgsspur. Songs wie «Giggerig» liefen im Radio in Endlosschlaufe.

Der von Hofer und seinem langjährigen Weggefährten Hanery Amman komponierte Hit «Alperose» wurde 2006 vom Schweizer Fernsehpublikum zum grössten Schweizer Hit aller Zeiten gewählt.

Verkäufer und Provokateur

Polo Hofer war nicht nur ein erfolgreicher Musiker und begnadeter Verkäufer - er tanzte immer schon auf vielen Bühnen. Für ein provokantes Polit-Statement war er immer zu haben. Er war der Kiffer der Nation, aber er engagierte sich auch im Kampf gegen Aids und erhob seine Stimme gegen rechtspopulistische Tendenzen.

Seit einigen Jahren hatte der Schlagzeuger, Sänger, Dichter und Maler mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Vor gut zehn Jahren lag er wegen einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse zehn Tage lang im künstlichen Koma, ein Jahr später folgte eine Operation an den Stimmbändern.

2016 wurde bekannt, dass Polo Hofer an Lungenkrebs erkrankt war. Sein letztes Album «Ändspurt» erschien am 8. Januar 2016.

«Danke für die schönen Momente»

Viele Künstler-Kollegen von Hofer äusserten am Montagabend ihre Trauer über Polo Hofers Hinschied. «Danke für all die wunderbaren Lieder und die schönen Momente» schrieb etwa Francine Jordi auf Facebook. «Traurig nehmen wir Abschied von einem der grössten Schweizer Musiker» hielt Marc Sway fest.


r.i.p. polo - u danke für au die wunderbare lieder und die schöne momänt! ? #polohofer #legände #icon #musigusderschwiz

Posted by Francine Jordi (offizielle Fanseite) on Montag, 24. Juli 2017

Truurig nämed mir Abschied vo eim vo de gröschte CH-Musiker! Du hinderlasch öis e grossi Lääri - aber au es grosses musikalisches Erb! Danke für Alles - POLO HOFER!

Posted by Marc Sway on Montag, 24. Juli 2017

Gölä postete auf seiner Facebookseite vier Fotos, die ihn mit Polo Hofer zeigen. Einmal bei einem gemeinsamen Auftritt. Einmal beim Bier trinken und einmal beim Wandern.

Posted by Gölä on Montag, 24. Juli 2017

Darunter wird fleissig kommentiert: «Ich habe schöne Konzerte von dir erlebt und wir hatten lustige Gespräche. Rock dr Himmu Pölli», schreibt eine Userin.

Auf FM1Today meint Geraldine: «Was für eine Legende. Wir vermissen dich und deine Musik. Du warst ein super Typ auf unserer Weltkugel.» Luca Hänni zitiert Polo Hofer auf Twitter: «I gloube mir sy nume einisch hie. Als wär's e film vergissen i's nie.»

Lara Abderhalden